Habits & Dyskinesien

Daumenlutschen, Zungenpressen oder Mundatmung erkennen wir frühzeitig — und schätzen in Ruhe ein, ob Beobachten, Abgewöhnen oder eine Behandlung der richtige Weg für Ihr Kind ist.

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Kind in der Fachpraxis Zähringen
Was sind Habits?

Angewohnheiten, die den Kiefer prägen

Zahn- und Kieferfehlstellungen können Folge von schlechten Angewohnheiten (Habits) sein. Durch Übertragung auf das bleibende Gebiss können diese später ein stabiles Ergebnis verhindern. Auch eine falsche Zungenlage hat große Auswirkungen auf die Zähne und den Kiefer — Folgen können beispielsweise ein Schmalkiefer oder ein lutschoffener Biss sein.

Dabei gilt: Nicht jedes Daumenlutschen führt zu einer Fehlstellung. Entscheidend sind Dauer, Häufigkeit und Intensität der Gewohnheit — darauf weist auch die American Academy of Pediatric Dentistry hin. Auffälligkeiten von Zunge, Lippen und Mundatmung zählt die ASHA zu den orofazialen myofunktionellen Störungen.

Wir arbeiten interdisziplinär eng mit Kinderärzt:innen, HNO-Ärzt:innen und Logopäd:innen zusammen, um solche Angewohnheiten frühzeitig mit Tipps & Tricks abzutrainieren.

Worauf Sie achten können

Beobachten Sie Ihr Kind

Lutscht Ihr Kind noch regelmäßig am Daumen?
Kaut es an den Fingernägeln oder gerne am Stift?
Beißt es oft auf die Lippen?
Schläft oder sitzt Ihr Kind häufig mit offenem Mund?
Atmet es tagsüber oft durch den Mund?
Schnarcht Ihr Kind regelmäßig?
Liegt die Zunge beim Schlucken oder in Ruhe zwischen den Zähnen?
Berühren sich die Frontzähne beim Zubeißen nicht?
Gibt es Auffälligkeiten bei Aussprache oder Schlucken?

Diese Anzeichen müssen nicht auf eine Erkrankung hindeuten — sie können aber Hinweise auf eine ungünstige Funktion sein und lohnen bei Unsicherheit eine Einschätzung.

Offener Biss & Zungenpressen

Kann sich ein offener Biss von selbst schließen?

Lang anhaltendes Daumenlutschen oder ein Zungenpressen — bei dem die Zunge beim Schlucken oder in Ruhe gegen oder zwischen die Frontzähne drückt — kann einen offenen Biss begünstigen, bei dem sich obere und untere Frontzähne beim Zubeißen nicht berühren. Eine systematische Übersichtsarbeit (2025) aus 33 Studien fand vor allem bei länger andauernden Sauggewohnheiten ein erhöhtes Risiko dafür.

Die gute Nachricht: Wird die Gewohnheit rechtzeitig beendet, kann sich ein offener Biss teilweise von selbst zurückbilden. Eine Übersichtsarbeit beobachtete eine Selbstkorrektur bei 50 bis 100 % der Kinder — allerdings bei sehr niedriger Aussagekraft der Studien, sodass sich daraus keine sichere Prognose für ein einzelnes Kind ableiten lässt.

Das Abgewöhnen ist deshalb ein wichtiger erster Schritt. Ob sich der Biss danach von selbst bessert, hängt vom Alter, der Ausprägung und davon ab, wie lange die Gewohnheit bestand — und ob etwa eine ungünstige Zungenruhelage weiterbesteht. Manchmal genügt zunächst eine Kontrolle, ohne dass sofort eine Behandlung beginnt.

Fragen & Antworten

Was Eltern uns fragen

Die Fragen rund um Daumenlutschen, Zungenpressen und offenen Biss, die in der Beratung am häufigsten kommen — kurz beantwortet.

Alle Fragen und Antworten →
Kann Daumenlutschen einen offenen Biss verursachen?

Lang anhaltendes und häufiges Daumenlutschen kann einen offenen Biss begünstigen — entscheidend sind Dauer, Häufigkeit und Intensität. Nicht jedes Kind, das am Daumen lutscht, entwickelt aber eine Fehlstellung. Ob bei Ihrem Kind etwas zu tun ist, schätzen wir bei der Untersuchung ein.

Bis wann ist Daumenlutschen bei Kindern normal?

Bei kleinen Kindern ist Daumenlutschen zunächst eine ganz normale Gewohnheit, die auch der Beruhigung dient. Ungünstig kann es werden, wenn es über längere Zeit bestehen bleibt und regelmäßig oder intensiv auftritt. Eine feste Altersgrenze gibt es nicht — es kommt auf das einzelne Kind an.

Was ist Zungenpressen und wie erkennt man es?

Beim Zungenpressen liegt die Zunge beim Schlucken oder in Ruhe weit vorne und drückt gegen oder zwischen die Zähne. Hinweise können eine Zunge zwischen den Frontzähnen, eine oft offene Mundhaltung oder eine auffällige Aussprache sein. Ob wirklich eine relevante Funktionsauffälligkeit vorliegt, klärt eine Untersuchung.

Kann sich ein offener Biss nach dem Abgewöhnen selbst schließen?

Teilweise ja. Wird eine Sauggewohnheit rechtzeitig beendet, kann sich ein offener Biss von selbst bessern; Übersichtsarbeiten fanden das bei einem Teil der Kinder. Die Studienlage ist allerdings sehr unsicher, sodass sich daraus keine verlässliche Prognose für ein einzelnes Kind ableiten lässt — eine Kontrolle ist deshalb sinnvoll.

Wann sollte mein Kind wegen eines Habits zur Kieferorthopädin?

Eine Untersuchung ist sinnvoll, wenn eine Gewohnheit über längere Zeit besteht oder schon Veränderungen am Biss zu sehen sind. Auch eine häufig offene Mundhaltung, Mundatmung, eine auffällige Zungenlage oder fehlender Kontakt der Frontzähne sind Gründe für eine Kontrolle. Bei der Erstberatung klären wir, ob eine Behandlung nötig ist oder zunächst Beobachten ausreicht.

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